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Presseberichte

Der Reutlinger Eduard Leuze war Thema der Reinhold-Maier-Stiftung:

Ein immer streitbarer Demokrat
Der Historiker Michael Kitzing referierte über den ehemaligen Wirtschaftsminister

Reutlingen. Als Pionier von Wirtschaftsmodernisierung, Mittelstandsförderung, beruflicher Bildung, Existenzgründung und Verbraucherschutz würdigte die Reinhold-Maier-Stiftung (RMS) den früheren baden-württembergischen Wirtschaftsminister Dr. Eduard Leuze. Der Historiker Dr. Michael Kitzing bescheinigte dem Reutlinger Liberalen, in der südwestdeutschen Wirtschaftsgeschichte deutliche Spuren hinterlassen zu haben. Leuze sei „ein immer streitbarer Demokrat gewesen“, der häufig auch mit seiner eigenen Partei über Kreuz gekommen sei.

Das bestätigte RMS-Verwaltungsrat Hagen Kluck bei der Eröffnung der Veranstaltung im Hotel Fortuna. Als er 1966 nach Reutlingen kam, habe Eduard Leuze die hiesige FDP noch maßgeblich geprägt, dann aber in heftigen politischen Auseinandersetzungen mit Martin Bangemann den Kürzeren gezogen. Kluck bekannte freimütig, damals mit Leuze auch nicht zimperlich umgegangen zu sein. Der sei das Austeilen aber selber so gewohnt gewesen, dass er sogar die Aberkennung des Ehrenvorsitzes der Reutlinger FDP mit Fassung getragen habe.

Der 1906 geborene Eduard Leuze entstammte einer Pfarrersfamilie und studierte Jura. Seine Doktorarbeit über „Sanktion im Völkerrecht“ durfte 1933 auf Weisung des Auswärtigen Amtes nicht veröffentlicht werden. Den Nationalsozialisten hielt sich der Rechtsanwalt von Anfang an bewusst fern. Er engagierte sich im Reutlinger Liederkranz und wurde Vorsitzender des Uhlandgau-Sängerbundes. Sein politisches Engagement begann er nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg als Stadtrat in Reutlingen und im Landtag des damaligen Bundeslandes Württemberg-Hohenzollern, wo er gegen den Enteignungsparagraphen in der Verfassung und gegen die Konfessionsschule kämpfte.

Wie Michael Kitzing erläuterte, befürwortete Leuze zwar den Südweststaat, lehnte aber die von Reinhold Maier herbeigeführte Koalition mit der SPD ab. Maiers Linkskurs stehe im Gegensatz zu den liberalen Grundsätzen. Die südwürttembergischen Liberalen bleiben deshalb dem Vereinigungsparteitag der neuen Landespartei fern. Erst später arrangierte sich der damals für Eberhard Wildermuth in den Bundestag nachgerückte Leuze mit Maier. 1956 zog der Reutlinger in den baden-württembergischen Landtag ein, wurde Vorsitzender der FDP-Fraktion und 1960 dann Wirtschaftsminister im Kabinett Kiesinger.

Leuze trieb die Regionalförderung voran, wovon vor allem auch die Schwäbische Alb profitierte. Industrie, Handel und Handwerk wurden von ihm bei der Modernisierung tatkräftig unterstützt, wobei er großen Wert auf die berufliche Bildung sowie die Fort- und Weiterbildung im betriebstechnischen und betriebswirtschaftlichen Bereich legte. Erstmals wurden auch Sonderprogramme für Fremdenverkejhr, Heilbäder, Kurorte und das Hotel- und Gaststättengewerbe aufgelegt.

Der FDP-Wirtschaftsminister legte großen Wert auf Innovation und Forschung, wozu er den Forschungsreaktor in Karlsruhe und die Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt ausbaute. Für die Energie-Sicherung trieb Leuze die Ansiedlung von Erdölraffinereien, den Bau von  Kraftwerken und Gasleitungen voran. Weitere Schwerpunkte seiner Amtszeit waren die Unterstützung der Arbeit der Verbraucherzentrale und die Entwicklungshilfe. Dabei legte er besonderen Wert auf die Ausbildung ausländischer Praktikanten und die Einrichtung von Gewerbeförderungszentren in Tunesien und Indien.

Mit dem Wechsel Kurt-Georg Kiesingers als Bundeskanzler nach Bonn zerbrach die schwarz-gelbe Koalition in Stuttgart. Gegen Leuzes Rat ging die FDP in die Opposition. Aber er beherrschte auch diese Rolle und wurde wieder Fraktionsvorsitzender. „Es ging ihm immer um die Sicherung der materiellen Rechtsgrundlage und der geistigen Freiheit der individuellen Persönlichkeit“, betonte Dr. Kitzing. Als „konservativer Liberaler“ wollte Leuze dem historisch gewordenen kritische Achtung und Aufmerksamkeit entgegenbringen und es nach Möglichkeit in das tagespolitische Kalkül einbeziehen.

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