Presseberichte

FDP will Basisarbeit nicht wegen „Jamaika“ vernachlässigen

„Wir bleiben auf dem Teppich“
Liberaler Stammtisch bekräftigt kommunalpolitische Anliegen der Freien Demokraten

Reutlingen-Betzingen. „Die Aussicht auf Jamaika trübt unseren Blick auf die kommunalen Probleme nicht“, betonten Stadtverbandsvorsitzender Jürgen Robert Klein und Fraktionschef Hagen Kluck beim Liberalen Stammtisch in Betzingen. Die Freien Demokraten würden die Koalitionsverhandlungen in Berlin ruhig und gelassen begleiten und dabei ihre wichtige Arbeit vor Ort keineswegs vernachlässigen. „Kein Fluch der Karibik hält uns davon ab“, scherzte Klein. Und Kluck räumte dem Wohnungsbau, der Kinderbetreuung und dem Nahverkehrskonzept absoluten Vorrang ein.

Der erste Stammtisch nach den Wahlen war sehr gut besucht. Im Betzinger „Tomo-Bräu“ mussten dafür mehrere Tische zusammengeschoben werden. Jürgen Robert Klein freute sich, dass der Kreis Reutlingen mit der Wahl von Pascal Kober in den Bundestag wieder eine aktive liberale Vertretung in Berlin habe. Das Reutlinger Wahlergebnis sei doppelt erfreulich, weil es auch gelungen sei, mehr Stimmen als Rechts- und Linksextreme zu holen. Die besten Wahlbezirke in der Kernstadt seien die Freie Evangelische Schule mit 19,8 Prozent, das Isolde-Kurz-Gymnasium mit 18,5 und die Sankt-Wolfgang-Schule mit 17,7 Prozent. Bei den Stadtbezirken lägen  Mittelstadt und Sickenhausen vorn.

 

Stadträtin Regine Vohrer wünschte sich beim Wohnungsbau noch mehr Schwung. Sie wies in diesem Zusammenhang aber auch auf die Nachwuchsprobleme des Handwerks hin. Nach wie vor gebe es einen „Hang zur Überakademisierung“. Dabei sei auch eine solide Handwerksausbildung keine Sackgasse, weil es jede Menge Weiterbildungsmöglichkeiten gebe. Politik und Gesellschaft müssten dem Handwerk wieder den ihm gebührenden Stellenwert einräumen. Ein Handwerksmeister meistere die ihm gestellten Aufgaben mindestens genau so gut wie ein Bachelor oder Master.

Dass es in der Bildung weiterhin keinen Abschluss ohne Anschluss geben dürfe, forderte Stadtrat Dr. Knut Hochleitner. Die Reutlinger Gemeinschaftsschulen bräuchten keine eigene Oberstufe, sondern könnten hier sehr gut mit den beruflichen Gymnasien zusammenarbeiten. Laut Hochleitner fängt die Bildung bei der Kinderbetreuung an. Hier müsse Reutlingen schnellstens die entstandenen Engpässe überwinden. Es sei jetzt sehr wichtig, die Tageseltern zu stärken und freie Träger für die Kinderbetreuung zu aktivieren.

Im Nahverkehrskonzept der Stadt sieht FDP-Verkehrsexperte Hans Georg Weiß gute Ansätze. Wichtig sei der baldige Umbau der Gartenstraße für Stadtbusse und Regionalstadtbahn. Stadtrat Hagen Kluck betonte die Wichtigkeit der Verzahnung von Bahn, Bus und Individualverkehr. Die Förderung des Radverkehrs sei wichtig, aber kein Allheilmittel für die Verkehrsprobleme der Stadt. In der Innenstadt brauche besonders auch der Fußverkehr mehr Aufmerksamkeit. Die FDP werde allen Tendenzen, die Fußgänger wieder in Unterführungen oder auf Stege zu verbannen, eine Absage erteilen.

Man war sich beim Liberalen Stammtisch einig, dass bei Koalitionsverhandlungen in Berlin über die großen Symbolthemen hinaus auch für die Kommunen wichtige Themen angesprochen werden müssten. Dazu gehörten der Breitbandausbau ebenso wie der Sanierungsstau bei Schulgebäuden, die Finanzierung der auf die Flüchtlingsunterbringung folgenden Integrationsbemühungen sowie die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Man brauche den Bund vor allem auch bei der Realisierung der Regionalstadtbahn und der zweigleisigen Wendlinger Kurve.